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RLT Hygiene Bremen

VDI 6022 – Das Regelwerk für RLT-Hygiene

Die VDI 6022 ist die maßgebliche deutsche Richtlinie zur Hygiene raumlufttechnischer Anlagen. Sie legt Anforderungen an Planung, Ausführung, Betrieb und die wiederkehrende Inspektion fest. Diese Seite erklärt die Richtlinie im Überblick – von den einzelnen Blättern über Filterklassen bis zum Prüfbericht.

VDI 6022 in Bremen – was das für Betreiber bedeutet

In Bremen trifft die VDI 6022 vor allem Betreiber gewerblich genutzter Gebäude mit raumlufttechnischen Anlagen: Büro- und Verwaltungsgebäude, Einzelhandel, Gastronomie, Beherbergung sowie Pflege- und Gesundheitseinrichtungen. Für sie konkretisiert die Richtlinie, was im Rahmen der Betreiberpflichten aus Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und ASR A3.6 zu tun ist – von der Filterung und Reinhaltung der luftberührten Bauteile bis zur wiederkehrenden Hygieneinspektion.

Zuständig ist ein Sachkundiger der Kategorie A, der die Anlage bewertet, Probenahmen vornimmt und den Prüfbericht freigibt. Ob und in welchem Turnus bei einer konkreten Anlage eine Inspektion fällig ist, hängt von Anlagentyp, Nutzung und Gefährdungsbeurteilung ab und lässt sich nicht pauschal festlegen.

Diese Website ist eine Vermittlungsplattform. Wir führen selbst keine Inspektionen durch und geben keine verbindlichen Angebote ab. Wir stellen den Kontakt zu qualifizierten Fachbetrieben und Sachkundigen in Bremen her, die die Leistung eigenverantwortlich erbringen. Wenn Sie für Ihre Anlage einen Termin oder eine fachliche Einschätzung brauchen, beschreiben Sie Anlage und Nutzung – wir klären eine mögliche Vermittlung.

Fachliche Einordnung nach Anlagentyp finden Sie unter RLT-Hygieneinspektion und RLT-Anlagen; Ablauf und Verfahren der Reinigung unter Lüftungsreinigung und Luftkanäle; zur Einordnung des Aufwands unter Kosten.

Was regelt die VDI 6022?

Die VDI 6022 „Raumlufttechnik, Raumluftqualität – Hygieneanforderungen an Raumlufttechnische Anlagen und Geräte" ist eine Richtlinie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). Sie erschien erstmals 1998 und wurde seither mehrfach überarbeitet. Ihr Anliegen ist es, in Gebäuden mit RLT-Anlagen eine gesundheitlich unbedenkliche Raumluft sicherzustellen.

Die Richtlinie ist nicht unmittelbar gesetzlich verankert, gilt aber als Stand der anerkannten Technik und wird in der Praxis – auch vor Gericht – als maßgeblicher Wissensstand herangezogen. Betreibern von RLT-Anlagen ist dringend zu empfehlen, die Vorgaben der VDI 6022 einzuhalten.

Die VDI 6022 ist in mehrere Blätter gegliedert. Für Betreiber und Dienstleister sind vor allem Blatt 1, Blatt 1.1 und Blatt 2 relevant.

Die Blätter der VDI 6022 im Überblick

Blatt 2

  • Auftragnehmer- und Betreiberverpflichtungen
  • Aufgabenverteilung zwischen Betreiber und Dienstleister
  • Dokumentations- und Nachweispflichten
  • Grundlage für Wartungs- und Inspektionsverträge

VDI 6022 Blatt 1 – Hygieneanforderungen

Blatt 1 der VDI 6022 formuliert die grundlegenden Hygieneanforderungen an RLT-Anlagen und -Geräte. Es behandelt:

  • Planung und Konstruktion: Hygienegerechte Auslegung mit guter Erreichbarkeit für Reinigung und Wartung
  • Materialanforderungen: Verwendung hygienisch geeigneter, korrosionsbeständiger Werkstoffe
  • Filterstufen: Vorgaben zur Filterung von Außen- und Umluft je nach Nutzung
  • Luftbefeuchtung: Besondere Anforderungen an Befeuchtungseinrichtungen wegen des erhöhten Hygienerisikos
  • Betrieb und Instandhaltung: Pflicht zur regelmäßigen Inspektion, Wartung und Reinigung

Filterklassen nach VDI 6022

Für die Auswahl der Filter verweist die VDI 6022 auf die Normenreihe DIN EN ISO 16890, die das frühere Klassensystem nach EN 779 abgelöst hat. Bewertet wird nicht mehr nur ein einzelner Abscheidegrad, sondern die Abscheidung für definierte Feinstaub-Partikelgrößen:

ISO Coarse

Grobe Partikel, etwa Blätter, Fasern und Staub. Grobfilter dienen dem Schutz nachfolgender Filterstufen und Bauteile.

ePM10

Abscheidung von Partikeln bis 10 µm. Häufig als erste Filtrationsstufe in Zuluftanlagen eingesetzt.

ePM2,5

Abscheidung feiner Partikel bis 2,5 µm – relevant für die Belastung der Raumluft und der Anlagenbauteile.

ePM1

Abscheidung sehr feiner Partikel bis 1 µm. Kommt als Feinfilterstufe in sensiblen Bereichen zum Einsatz.

Welche Filterklasse im konkreten Fall erforderlich ist, hängt vom Anlagentyp, der Nutzung und der Hygienekategorie ab. In der Praxis werden Zuluftanlagen häufig mit einer Kombination aus mehreren Filterstufen betrieben – etwa einem Grob- oder ePM10-Filter und einer nachgeschalteten Feinfilterstufe. Für Anlagen in sensiblen Bereichen – etwa im Gesundheitswesen – gelten darüber hinaus weitergehende Anforderungen an Filterung, Dichtheit und Dokumentation.

Hinweis: Diese Übersicht ist eine Orientierung. Maßgeblich ist die jeweils gültige Originalrichtlinie sowie die projektspezifische Auslegung durch Fachplaner und Sachkundige.

Inspektionsintervalle: Erst- und Wiederholungsinspektion

Die VDI 6022 nennt keine pauschale Frist, die für alle Anlagen gleichermaßen gilt. Unterschieden werden zwei Arten der Prüfung:

  • Hygiene-Erstinspektion: umfassende Erstprüfung bei Inbetriebnahme, nach wesentlichen Änderungen oder wenn eine Anlage erstmals nach VDI 6022 bewertet wird.
  • Wiederholungsinspektion: regelmäßige Folgeprüfung im festgelegten Turnus, um den hygienischen Zustand dauerhaft zu überwachen.

Der für eine Anlage passende Abstand ergibt sich aus Art und Nutzung, dem Anlagentyp, dem Vorhandensein von Befeuchtungseinrichtungen und der individuellen Gefährdungsbeurteilung durch den Sachkundigen. In der Praxis werden für viele Anlagen Abstände von rund einem bis drei Jahren angesetzt; befeuchtete oder besonders sensible Anlagen werden häufiger geprüft. Wer sich auf eine feste Frist verlässt, ohne die eigene Anlage bewerten zu lassen, geht ein Risiko ein – die konkrete Festlegung gehört in die Gefährdungsbeurteilung.

Wichtig: Die VDI 6022 unterscheidet bei der Qualifikation des Personals die Kategorie A und Kategorie B. Pauschale, für alle Anlagen gültige Fristen gibt es nicht.

Revisionsöffnungen und Zugänglichkeit

Reinigbarkeit und Prüfbarkeit sind Kernforderungen der VDI 6022. Alle luftberührten Flächen – Kanäle, Filter, Wärmeübertrager, Ventilatoren und Befeuchtungseinrichtungen – müssen für Inspektion und Reinigung erreichbar sein. Dafür sind in ausreichender Zahl Revisionsöffnungen vorzusehen, deren Ausführung sich unter anderem an DIN EN 12097 (Lüftung von Gebäuden – Luftleitungen – Anforderungen an Bauteile zur Wartung) orientiert.

Fehlen geeignete Öffnungen oder sind Bauteile unzugänglich verbaut, ist eine sachgerechte Hygienekontrolle nicht möglich. Häufig wird dies im Rahmen einer Erstinspektion als Mangel dokumentiert. Betreiber profitieren davon, die Zugänglichkeit frühzeitig zu prüfen – nachträgliche Umbauten sind meist aufwendiger als eine vorausschauende Planung.

Der Prüfbericht nach VDI 6022

Am Ende einer Hygieneinspektion steht der Prüfbericht. Er ist das zentrale Dokument gegenüber Betreiber, Auftraggeber und – im Schadensfall – auch gegenüber Versicherungen und Behörden. Typischerweise enthält er:

  • Anlagenbeschreibung: Anlagentyp, Nutzung, Luftvolumenströme und Übersicht der hygienerelevanten Bauteile
  • Bewertung: Beurteilung des hygienischen Zustands der einzelnen Bauteile, gegliedert nach Anlagenbereichen
  • Messwerte und Probenahmen: Ergebnisse mikrobiologischer Untersuchungen und weiterer Messungen samt Messpunkten
  • Mängel und Maßnahmen: festgestellte Abweichungen mit Empfehlungen und Fristen zur Behebung
  • Freigabe: Unterschrift des Sachkundigen der Kategorie A

Prüfberichte sind aufzubewahren und bei Folgeinspektionen vorzulegen. Für Betreiber ist der Bericht damit zugleich der Nachweis, dass die Betreiberpflichten wahrgenommen wurden.

Hygieneanforderungen im Einzelnen

🌡️ Temperaturen & Feuchte

Kondensation und stehendes Wasser sind zu vermeiden. Kondensat muss vollständig abfließen. Oberflächen dürfen nicht dauerhaft feucht bleiben.

🧹 Reinigbarkeit

Alle luftberührten Flächen müssen für Reinigung und Inspektion erreichbar sein. Revisionsöffnungen sind in ausreichender Zahl und Größe vorzusehen.

🔬 Mikrobiologie

Grenzwerte für Schimmelpilze und Bakterien in der Zuluft. Regelmäßige Beprobung an definierten Messpunkten gemäß VDI 6022 Blatt 1.1.

📋 Dokumentation

Vollständiger Hygieneplan mit allen Inspektions-, Wartungs- und Reinigungsterminen. Prüfberichte sind aufzubewahren und bei Folgeinspektionen vorzulegen.

Qualifikation des Fachpersonals nach VDI 6022

Kategorie B

  • Qualifikation für definierte Tätigkeiten
  • Umfasst Hygienekontrollen, Wartung und Reinigung
  • Ausführung im zugeordneten Qualifikationsumfang
  • Tätigkeiten nach Vorgabe und Hygieneplan

Rechtlicher Stellenwert der VDI 6022

Die VDI 6022 ist als anerkannte Regel der Technik eingestuft. Das bedeutet:

  • Sie konkretisiert die allgemeinen Anforderungen aus der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und der Arbeitsstättenrichtlinie ASR A3.6 an die Raumluftqualität
  • Sie wird von Sachverständigen, Behörden und Gerichten als Maßstab für den Stand der Technik herangezogen
  • Betreiber, die die Vorgaben missachten, können im Schadensfall haftungsrechtlich belangt werden
  • Ihre Einhaltung dient dem Nachweis der Erfüllung der Betreiberpflichten (Verkehrssicherungspflicht)

Ob und in welchem Umfang eine Pflicht zur Hygieneinspektion im Einzelfall besteht, hängt von Anlage und Nutzung ab. Eine rechtliche Einordnung ersetzt diese Seite nicht – im Zweifel ist fachlicher oder juristischer Rat einzuholen.

Wo bekommt man die VDI 6022?

Die VDI 6022 ist eine Richtlinie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und wird über den VDI-Verlag bzw. den Beuth Verlag bezogen. Da die Richtlinie turnusmäßig überarbeitet wird, ist jeweils die aktuell gültige Fassung maßgeblich. Die Originalrichtlinie ist kostenpflichtig; sie ist die verbindliche Quelle, diese Seite dient der Orientierung.

Neben der Richtlinie selbst sind für Betreiber vor allem die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), die ASR A3.6 sowie – bei der Filterauswahl – die Normenreihe DIN EN ISO 16890 relevant.

Häufige Fragen zur VDI 6022

Ist die Inspektion Pflicht?

Die Richtlinie ist nicht unmittelbar Gesetz, gilt aber als anerkannte Regel der Technik und konkretisiert die Betreiberpflichten aus ArbStättV und ASR A3.6.

Welche Fristen gelten?

Keine pauschale Frist. Der Turnus ergibt sich aus Anlage, Nutzung und Gefährdungsbeurteilung – in der Praxis häufig rund ein bis drei Jahre.

Wer darf prüfen?

Inspektion und Bewertung setzen Sachkundige der Kategorie A voraus; Kategorie B deckt definierte Tätigkeiten wie Wartung und Reinigung ab.

Was kostet eine Inspektion?

Das hängt von Anlagengröße, Anzahl der Bauteile und Umfang der Analytik ab. Eine Einordnung finden Sie unter Kosten.

VDI-6022-Inspektion in Bremen anfragen

Lassen Sie Ihre RLT-Anlage nach VDI 6022 prüfen. Beschreiben Sie Anlage und Nutzung – wir klären eine mögliche Vermittlung an einen qualifizierten Sachkundigen.

Inspektion anfragen

Weiterführende Seiten

Quellen und Stand der Angaben

Die Angaben auf dieser Seite stützen sich auf die folgenden Regelwerke und offiziellen Quellen:

  • VDI 6022 Blatt 1 – Raumlufttechnik, Raumluftqualität: Hygiene-Anforderungen an Raumlufttechnische Anlagen und Geräte (Verein Deutscher Ingenieure)
  • VDI 6022 Blatt 1.1 – Hygiene-Anforderungen an Raumlufttechnische Anlagen und Geräte: Hygieneinspektion
  • VDI 6022 Blatt 2 – Auftragnehmer- und Betreiberverpflichtungen
  • DIN EN ISO 16890 – Luftfilter für die allgemeine Raumlufttechnik
  • DIN EN 12097 – Lüftung von Gebäuden: Luftleitungen, Anforderungen an Bauteile zur Wartung
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und ASR A3.6 – Lüftung in Arbeitsstätten

Stand der redaktionellen Prüfung: . Die Richtlinien werden vom VDI turnusmäßig überarbeitet; maßgeblich ist jeweils die aktuell gültige Fassung, die über den VDI-Verlag bezogen werden kann. Redaktionelle Hinweise: Redaktion und Quellen.