Mikrobiologische Untersuchung von RLT-Anlagen
Die mikrobiologische Untersuchung ist ein Kernbestandteil der Hygieneinspektion nach VDI 6022. Sie liefert objektive Daten über die Keimbelastung der Luft und der Anlagenoberflächen.
Warum mikrobiologische Untersuchungen?
Eine rein visuelle Inspektion kann viele hygienische Probleme nicht erkennen. Bakterien, Schimmelpilze und andere Mikroorganismen sind mit bloßem Auge nicht sichtbar, können aber die Raumluftqualität und die Gesundheit der Nutzer erheblich beeinträchtigen.
Die mikrobiologische Untersuchung nach VDI 6022 liefert belastbare, quantitative Daten über die mikrobielle Belastung und ermöglicht so eine objektive Bewertung des hygienischen Zustands.
Was wird untersucht?
🦠 Schimmelpilze
Analyse von Luftproben und Oberflächenabstrichen auf Schimmelpilze und deren Sporen. Besonders relevant bei Feuchtigkeitsschäden und in feuchten Anlagenbereichen. Grenzwerte nach VDI 6022.
🧫 Bakterien
Bestimmung der Gesamtbakterienzahl in der Zuluft. Erhöhte Werte deuten auf hygienische Mängel in der Anlage hin und können zu Geruchsbelästigung und gesundheitlichen Beschwerden führen.
💧 Legionellen
Spezifische Untersuchung auf Legionellen bei Anlagen mit Luftbefeuchtung, insbesondere Umlaufsprühbefeuchtern und Kühltürmen. Legionellen können schwere Lungenentzündungen verursachen.
🔬 Hefen und Actinomyceten
Optional erweiterte Analyse auf weitere Mikroorganismen, die in feuchten Anlagenbereichen – insbesondere Kondensatwannen und Befeuchtereinheiten – auftreten können.
Methodik der Probenahme
Die Probenahme erfolgt nach standardisierten Verfahren gemäß VDI 6022 Blatt 1.1:
Messpunkte definieren
Festlegung repräsentativer Messpunkte: Außenluft, nach Filterstufen, im Zuluftkanal und in Referenzräumen.
Luftkeimsammlung
Aktive Probenahme mit einem Luftkeimsammler. Definierte Luftmenge wird über Nährmedien gesaugt, Keime scheiden sich ab.
Oberflächenabstriche
Entnahme von Abstrichen von Kanaloberflächen, Filtern, Befeuchtereinheiten und Kondensatwannen mit sterilen Tupfern.
Laboranalyse
Kultivierung und Auszählung der Keime im akkreditierten Labor. Dauer in der Regel 7–14 Tage.
Bewertung
Abgleich der Ergebnisse mit den Grenz- und Orientierungswerten der VDI 6022. Bewertung durch den Sachkundigen.
Prüfbericht
Dokumentation aller Ergebnisse im Prüfbericht mit Handlungsempfehlungen bei Grenzwertüberschreitungen.
Grenz- und Orientierungswerte
Die VDI 6022 definiert Orientierungswerte für die mikrobiologische Belastung der Zuluft. Die Zuluftqualität soll – bei hygienisch einwandfreiem Anlagenzustand – nicht schlechter sein als die Außenluft (bei Schimmelpilzen) bzw. nur geringfügig höher (bei Gesamtbakterien).
Legionellen – besondere Vorsicht bei Luftbefeuchtung
Legionellen sind wasserlebende Bakterien, die beim Einatmen feiner Wassertröpfchen (Aerosole) schwere Lungenentzündungen (Legionärskrankheit) verursachen können. RLT-Anlagen mit Luftbefeuchtung – insbesondere Umlaufsprühbefeuchter – können ein Legionellenrisiko darstellen.
Maßnahmen zur Legionellenprävention:
- Regelmäßige mikrobiologische Untersuchung des Befeuchterwassers
- Einhaltung der Wartungsintervalle für Befeuchtereinheiten
- Sicherstellung ausreichender Wassertemperaturen (Kaltwasser < 20 °C, Warmwasser > 60 °C)
- Desinfektion der Befeuchterkomponenten nach Herstellervorgabe
- Einsatz von Dampfbefeuchtern wo möglich (geringeres Legionellenrisiko)
- Regelmäßiger Wasseraustausch – kein stehendes Wasser in der Anlage
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